Morbus Cushing

Kurz in eigener Sache: Eigentlich sollte dieser Artikel im Whippetreport des WCD erscheinen, wurde aber ohne Rücksprache oder Bitte um redaktionelle Änderungen abgelehnt und nicht veröffentlicht, weil der Vorstand laut Auskunft der Geschäftsführerin lieber über positiv behaftete Gesundheitsthemen berichten möchte. Für mich ist dies etwas schwer nachzuvollziehen und ich denke, dass interessierte Whippethalter auch über den Tellerrand gucken möchten, um sich auch mit weniger schönenen Themen auseinanderzusetzen, ob betroffen oder nicht. Daher gibt es den Artikel eben jetzt hier (aufgrund der veränderten Zielgruppe leicht angepasst).

 

Wie kam ich ursprünglich dazu, diesen Text zu verfassen? Als ich vor sieben Jahren meinen ersten Whippet bekam, hatte ich mich im Vorfeld ausgiebig über die Rasse informiert. Der Whippet war perfekt für mich, nicht zuletzt, weil die durchschnittliche Lebenserwartung seinerzeit mit 14-16 Jahren angegeben war. In der Literatur zur Rasse wurde im Hinblick auf Krankheiten lediglich auf Hodenfehler und vielleicht noch hi und da Herzprobleme hingewiesen. Heute – nach einigen Jahren Recherche – habe ich jedoch den Eindruck, dass dieses Bild der gesunden Rasse von damals heute etwas weichgezeichnet erscheint. Denn einige weitere Krankheiten sind nunmehr leider doch auch beim Whippet angekommen.

Was ist der Grund dafür? Zum einen ist hier sicherlich eine deutlich bessere Diagnostik ins Feld zu führen, die es ermöglicht, Krankheiten besser zu erkennen und auch besser zu behandeln. Zum anderen ist die Informationslage heute eine ganz andere als noch vor 10 oder 15 Jahren. Das Internet und die sozialen Netzwerke machen es möglich, dass Informationen schnell geteilt werden. Hat sich früher jemand mit einem erkrankten Hund einfach nicht mehr auf Ausstellungen sehen lassen und war somit aus den Augen aus dem Sinn“, wird heute Trost und Hilfe auf Facebook oder bei anderen (online-)Selbsthilfegruppen gesucht und die Erkrankung wird publik. Ein weiterer Punkt ist die zunehmende Umweltbelastung, die für viele Krankheiten (mit-)verantwortlich gemacht werden kann. Somit stellt sich die Frage: haben Krankheiten zugenommen oder geht man heute einfach offener mit der Thematik um?

Ich denke, dass beides der Fall ist. Ein offener Umgang mit einem Problem oder einem Umstand, der zu einem Problem werden könnte, ist in meinen Augen die Grundvoraussetzung für ein verantwortungsvolles Handeln, als Halter sowie als Züchter. Auch, wenn Krankheitsfälle beim Whippet weiterhin im Bezug auf die Gesamtpopulation im Vergleich zu anderen Rassen eher selten sind, sollte man diese nicht als „Einzelfälle“ abtun. Wehret den Anfängen…!  Einen eigenen Beitrag zum Thema Transparenz in Gesundheitsfragen kann jeder Hundehalter selbst leisten. Seit Kurzem gibt es im TWA (früher TheWhippetArchives heute Breedarchive, zu finden unter https://whippet.breedarchive.com/home/index ) die Möglichkeit, gesundheitsbezogene Informationen für den eigenen Hund einzutragen. Dies ermöglicht jedem Besucher des Profils oder dem eines direkten Verwandten, über die Funktion „health analysis“ die eingetragenen Daten abzurufen. Die Datenbank für gesundheitsrelevante Informationen ist jedoch noch sehr neu und somit noch nicht aussagekräftig. Dennoch sollte jeder Nutzer seine Informationen eintragen, um diese Funktion mit Leben zu füllen. Dabei geht es nicht nur um Hinterlegung von aufgetretenen Krankheiten, auch Positiveinträge wie Gesundheitschecks ohne Befund helfen, ein Bild zu zeichnen.

Auch im TWA bin ich leider bereits häufiger auf die Krankheit Morbus Cushing gestoßen. Zudem gab es auch einige Fälle in meinem persönlichen Umfeld. Im Austausch mit betroffenen Whippethaltern entstand so die Idee zu diesem Bericht zum Thema „Cushing“. Die Krankheit ist leider nicht heilbar, aber an sich auch nicht tödlich, aber dennoch eine wirklich massiv beeinträchtigende Geschichte.

Zur Theorie nun erst einmal ein paar medizinische Informationen:

Der offizielle Name von Cushing (spricht sich Kusching) ist eigentlich das Cushing Syndrom aufgrund eines Morbus Cushing oder auch Hyperadrenokortizismus genannt. Letzterer spiegelt schon recht deutlich wider, um was es sich bei der Krankheit handelt, nämlich eine gesteigerte Ausschüttung des Stresshormons Cortisol (hyper = zu hoch, Kortizismus = Cortisolausschüttung). Das Cushing Syndrom ist eine Erkrankung, die häufiger bei älteren Hunden auftritt und hier eher Hündinnen als Rüden betrifft. Das Alter des Hundes bei Ausbruch der Erkrankung liegt meist um die acht Jahre. Die Symptome werden daher anfangs häufig dem Alter zugeschrieben. Sie können einen frühen Alterungsprozess nachahmen, so dass Cushing im Anfangsstadium oft übersehen wird.

Die Erkrankung wird in der Regel durch einen Tumor an der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) (hypophysären Hyperadrenokortizismus) oder durch einen Tumor in den Nebennieren (adrenalen Hyperadrenokortizismus) verursacht. Die dritte Ursache kann die Behandlung anderer Krankheiten mit Kortikosteroiden (Cortison) sein (iatrogenen Hyperadrenokortizismus), die die Symptome der Cushing-Krankheit hervorrufen können. Hierbei sollten die Cushing-Symptome aber nach Absetzen des Cortisons wieder verschwinden. Ein echter Cushing verschwindet hingegen nicht von selbst!

85% der Cushing-Erkrankungen beim Hund gehen auf einen Hypophysentumor zurück (hypophysären Hyperadrenokortizismus). Diese Art Tumor ist normalerweise gutartig, recht klein (hat meist nicht einmal Stecknadelkopfgröße) und langsam wachsend. Der Tumor sendet aber ununterbrochen Signale an die Nebennieren, das Stresshormon Cortisol zu produzieren. Bei einem gesunden Hund wird dieses Signal nicht mehr ausgesendet, sobald das nötige Cortisol-Niveau erreicht worden ist; die Drüsen stellen daraufhin die Hormonproduktion ein, bis sie ein neuerliches Signal zur Wiederaufnahme der Cortisol-Produktion erhalten. Bei einem Cushing-Hund bleibt eben diese Signalunterbrechung aus und die Ausschüttung von Cortisol erfolgt weit über das erforderliche Niveau hinaus. Vergleichbar ist dies also mit einer Dauermedikation von Cortison. Dass das nicht gesund ist, weiß so ziemlich jeder…

Der Tumor an der Nebenniere (adrenalen Hyperadrenokortizismus) ist seltener, aber die Wirkweise ist letztlich die gleiche: eine kontinuierliche Produktion von Cortisol. Sollte sich der Tumor an der Nebenniere befinden, lokalisiert werden können (beispielsweise mittels CT) und operabel sein, ist in wenigen extrem seltenen Fällen eine Heilung durch Operation möglich (siehe auch weiter unten Infos zu guten Links im Internet).

Da bei den echten Cushing-Fällen ja ein Tumor für die Krankheit verantwortlich gemacht werden kann, ist nicht gesagt, dass die Krankheit erblich ist. Wie bei Krebs jedoch auch, kann davon ausgegangen werden, dass es gewisse familiäre Häufungen oder eine genetische Dispositionen gibt.

Die Symptome von Cushing sind vielfältig. Sie treten schleichend auf und nehmen langsam zu und werden daher erst recht spät wahrgenommen, meist erst, wenn mehrere Symptome zusammen kommen. Leider – wie schon oben angedeutet – ist die Diagnostik recht schwierig und oftmals behandeln Tierärzte erst aufgrund weiterer aus dem Ruder gelaufener Blutwerte auf andere Erkrankungen hin. Diese sind meist Schilddrüsenfunktionsstörungen oder Nierenerkrankungen

Die meist zuerst beobachteten Symptome sind:

  • Übermäßiges Trinken
  • Verstärkter Urinabsatz (ggf. Pfützen im Haus)
  • Gesteigerter Appetit und Fressgier, Lebensmitteldiebstahl, übermäßiger Hunger
  • Haarausfall bis zur Kahlheit, vor allem an den Hinterbeinen und dem Bauch, struppiges Fell
  • dünne, faltige oder dunkel gefärbte Haut oder auch pergamentartige, durchscheinende Haut
  • Schürfwunden, langsame und schlechte Wundheilung
  • Kalkablagerungen (gräuliche feste Knubbel) in der Haut
  • Mattigkeit und Kraftlosigkeit
  • Muskelschwund

Wenn diese Symptome auftreten, sollte man Cushing auf jeden Fall im Hinterkopf haben, wenn der Hund beim Tierarzt vorgestellt wird.

Bei fortschreitender Krankheit bekommt der Hund oftmals einen Hängebauch, nimmt – nicht zuletzt aufgrund des gesteigerten Appetits – ordentlich an Gewicht zu und das bei gleichzeitigem Muskelschwund vor allem an den Beinen. Müdigkeit, Abneigung gegen das Laufen, allgemeine Schwäche (kommt die Couch nicht mehr hoch), übermäßiges Hecheln werden oft dem Alter zugeschrieben, sind aber alles Symptome für die Krankheit. Daneben lässt sich eine verstärkte Anfälligkeit für Infektionen, insbesondere Harnwegs- und Hautinfektionen beobachten. Zudem kommt es oftmals als Folgeerkrankung zu Diabetes, Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Thrombosen / Embolien.

Die gute Nachricht: Cushing ist behandelbar und der Hund erlangt oftmals eine verbesserte Lebensqualität zurück, wenn er medizinisch betreut wird. Eine Heilung ist aber nahezu unmöglich.

Die Behandlung hängt von der allgemeinen Gesundheit und dem Alter des Patienten ab. Bei sehr alten Hunden, die beispielsweise Cortison erhalten, um somit eine schwerer Arthritis zu lindern oder bei Allergikern, verbessert sich das Krankheitsbild, da der Körper selbst das Cortison produziert, das sonst oral verabreicht wird. Steuert man also dem Cushing gegen wird die Allergie oder die Arthritis wieder schlimmer. In diesen Ausnahmefällen kann es unter Umständen besser sein, mit dem Cushing zu leben.

In der Regel jedoch empfiehlt sich, eine klare Diagnose durch den sogenannten ACTH- Test sowie der Low-Dose- und der High-Dose-Dexamethason-Suppressionstest zu bekommen. Leider ist sowohl die Diagnose als auch die Behandlung in sehr vielen Fällen sehr schwierig und teilweise durch die hohen Kosten vom Besitzer nicht oder nur bis zu einem gewissen Punkt gewünscht.

Eine medikamentöse, lebenslange Behandlung mit Trilostan, bekannt unter den Markennamen Vetoryl und Modrenal, ist in den meisten Fällen angezeigt. Der Wirkstoff Trilostan ist in vielen Fällen das am besten geeignete Medikament für Cushing-Patienten auf dem Markt, da es die Steroidsynthese in den Nebennieren (reversibel) hemmt. Setzt man das Medikament ab, ist alles wie vorher und es erfolgt keine Zerstörung der Nebenniere (was einen Morbus Addison – den Gegenspieler zum Cushing mit zu geringem Cortisolspiegel – zur Folge hätte). Eine Unterstützung durch sogenannte Cushing-Kräuter oder Cushing-Komplex kann hier dabei helfen, die Vetoryl-Dosis recht gering zu halten. Leider wirkt das Medikament – insbesondere bei Hunden kleiner Rassen – manchmal nicht oder nur bedingt. Die richtige Einstellung für den Hund zu finden ist leider aufwendig, langwierig und kostenintensiv. Ist diese aber dann gefunden, geht es dem Hund sichtlich besser. In den meisten Fällen wächst das Fell wieder nach. Zum Teil bildet sich auch das Übergewicht wieder zurück. Eine strenge Diät ist aber hierfür ebenfalls Voraussetzung, denn der Hund frisst alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist...

Eine unbehandelte Cushing-Erkrankung ist jedoch in den seltensten Fällen eine Option. Unbehandelt führt die Krankheit zu gesteigerter Infektionsanfälligkeit, Hauttumoren, Fellverlust, Schilddrüsenunterfunktion, chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung, Herzinsuffizienz, Blutgerinnsel sowie  Leber- oder Nierenversagen. Letztlich führen diese Folgeerkrankungen dann zum verfrühten Tod des geliebten Vierbeiners.

Behandelt haben Cushing-Patienten jedoch gute Aussichten auf einer Rückgewinnung der Lebensqualität. Auch wenn die Behandlung kostspielig und aufwendig ist, lohnt sich dieser Weg! Der erste Schritt ist also bei Auftreten der ersten Symptome eine belastbare Diagnose zu erhalten (und nicht erst auf Differenzialdiagnosen zu behandeln und Zeit zu verlieren). Selbsthilfegruppen im Internet ermöglichen heutzutage einen guten Informationsaustausch. Hier erhält man auch gute Tipps über günstigere Bezugsquellen für die teuren Medikamente. Nicht vergessen sollte man jedoch, dass das Internet „stillhält“ und hier jeder – auch die wenig Qualifizierten – einen Kommentar oder Post oder Artikel schreiben können. Insofern sollte man in erster Linie einen vertrauensvollen und kompetenten Tierarzt haben oder nötigenfalls suchen, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht! Daneben gibt es auch online gute Lektüre zum Thema wie zum Beispiel unter folgenden Links:

http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=19716

http://www.tierklinik-birkenfeld.de/de/kat.php?k=29

Wie gesagt, ich bin ein interessierter Hundebesitzer, aber kein Tierarzt. Insofern möchte ich noch darauf hinweisen, dass dieser Beitrag logischerweise keine Doktorarbeit ist und im Verdachtsfall bitte umgehend ein kompetenter Tierarzt aufzusuchen ist!

Aber wie sieht nun das Leben mit einem Cushing-Hund in der Praxis aus?

Die Geschichten der mir bekannten betroffenen Whippets und deren Menschen zeigen, dass die Fälle alle verschieden sind und doch die gesicherte Diagnose Cushing gemein haben.

In allen diesen Fällen trat Cushing im Alter zwischen 5 und 8 Jahren auf und hat das Leben aller Beteiligten gehörig auf den Kopf gestellt. Fast allen gemein war eine Odyssee von Tierarzt zu Tierarzt, von einer (Fehl-)Diagnose und (Fehl-)Behandlung zur nächsten, bis wirklich feststand „der Hund hat Cushing“. In der Regel haben die Tierärzte gerade bei einem 5-6 jährigen Hund der Rasse Whippet die Krankheit überhaupt nicht in Betracht gezogen. Zu untypisch in dieser Konstellation.

Auch die Symptome waren bei fast allen unterschiedlich und manifestierten sich erst im späteren Verlauf der Krankheit zum typischen optischen und symptomatischen Gesamtbild von Cushing. Fiel beim einen Hund als erstes Haarverlust und eine vermeintliche Muskelschwäche des geliebten Whippets auf, war es beim anderen der Fettbauch und beim nächsten das vermehrte Trinken und Urin absetzen. So hat dann auch der erste Tierarzt erst einmal auf Schilddrüsenfehlfunktionen getippt (was zum Beispiel auch einen Fellverlust rechtfertigen kann und auch durch Blutwerte gestützt wurde – nur leider sind die Werte bei Windhunden abweichende zu den Referenzwerten anderer Rassen…). Beim vermehrten Trinken und Pieseln wurde erst einmal auf Niereninsuffizienz oder Diabetes getippt (weil auch hier die Symptome ähnlich sind) und der Hund wurde mit starken Medikamenten und Diäten behandelt, was jedoch alles keinen Erfolg brachte. Wieder ein anderer Tierarzt hat bei den Blutwerten von Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen und erst einmal auf sonstige Differenzialdiagnosen behandelt. Und somit verging in nahezu allen diesen Fällen erst mal zwischen einigen Monaten bis hin zu zwei Jahren, bis die richtige Diagnose gestellt war. Zeit, die man bei der direkt richtigen Diagnose sinnvoll hätte nutzen können und Zeit, in der Organe möglicherweise geschädigt wurden, unnötige Medikamente verabreicht wurden und immense Geldsummen in Bluttests, Tierärzte, Heilpraktiker und Medikamente gesteckt wurden.

Zur Diagnosestellung hatte ich mich auch im Vorfeld mit einem Tierarzt ausgetauscht, der mir sagte und dies auch bedauerte, dass eine richtige Diagnosestellung gerade im Fall von Cushing nicht einfach ist. Es gibt nicht einfach DEN Test, den man einfach mal macht und ein sicheres Ergebnis hat. Vielmehr sind es viele Einzelfaktoren, die die Diagnose erhärten: Da ist erst einmal ein Anfangsverdacht, der durch eins oder mehrere der oben genannten Symptome besteht. Dem folgt ein erster Bluttest, der aber vielleicht nicht alle erforderlichen Parameter abdeckt, so dass Cushing erst unentdeckt bleibt. Von einer Betroffenen erhielt ich die Information, dass in ihrem Fall ein Bluttest auf den Cortisolwert in Verbindung mit dem Bauchspeicheldrüsenwert einen ersten Anhaltspunkt geliefert hat. In einem anderen Fall war dieses Testergebnis jedoch zu unspezifisch. Erst, wenn der Cortisolwert eine Indikation liefert, der Low-Dose- / High-Dose-Dexamethason-Suppressionstest ebenfalls positiv ist und dann auch noch die Gabe von Vetoryl eine Verbesserung des Cortisolwerts liefert, kann man von einer gesicherten Diagnose ausgehen.

Diese Diagnose bedeutet wie oben ja dargestellt nicht das sofortige Todesurteil, aber fordert doch einiges von Betroffenen ab. Der Hund muss eingestellt und engmaschig kontrolliert werden (regelmäßig im Anfangszeitraum der Einstellung im Vierwochenrhytmus, später mindestens ein Mal im Halbjahr). Er muss außerdem zu mehr oder minder festen Zeiten seine Medikamente bekommen, was weder zeitlich, organisatorisch noch hinsichtlich der Kooperationsbereitschaft des Patienten her so einfach ist, wie es sich erst einmal anhört. Während der eine Hund die Medizin einfach ins Trockenfutter geworfen mit herunter schlingt, ist die Kapsel beim anderen vielleicht gar nicht „in den Hund zu bekommen“.

Zudem ist das Medikament nicht in minimalen Dosen zu erhalten. Hier müsste dann durch eine Apotheke das Medikamen „umgekapselt“ werden, denn sowohl Über- als auch Unterdosierung sind problematisch. Die richtige Einstellung ist daher aufwendig und anspruchsvoll.

Das Leben mit dem Hund wird auch in anderer Hinsicht schwieriger, denn für einen kranken Hund ist es extrem schwer, eine geeignete Betreuung zu bekommen, die zuverlässig auch die Medikamente verabreicht – sei es im Urlaub oder sollte der Mensch einmal ins Krankenhaus müssen. Zudem soll Stress für den Hund vermieden werden, was wiederum manche Freizeitaktivität deutlich einschränkt. Letzteres gilt auch für die gewohnte Aktivität mit Hund. Während ein gesunder Hund jede Wandertour locker mitmacht, ist ein kranker Hund – erst recht bei Cushing – hierzu gar nicht in der Lage. Das wiederum macht den Alltag gerade bei Mehrhundehaltung – was bei Whippets ja häufig der Fall ist – deutlich aufwendiger, denn der Cushing-Patient kann eben nur die kleine Runde gehen, während der gesunde Teil des Rudels seine entsprechende Auslastung fordert.

Um die höchstmögliche Wiederherstellung der alten Lebensqualität zu erzielen und das Leben so normal wie möglich zu gestalten, ist es essenziell, die Krankheit so früh wie irgend möglich zu erkennen. Die Erfahrungen der mir bekannten Fälle zeigt, dass es letztlich der Aufmerksamkeit und der Beharrlichkeit der Whippethalter zuzuschreiben ist, dass der Hund nicht aufgegeben wurde, dass auch die Suche nach der Ursache, die Diagnose der Krankheit nicht aufgegeben wurde. Insofern wünsche ich mir und Ihnen, dass niemand diesen Bericht liest, weil er betroffen ist. Sollten sich aber Veränderungen am Hund bemerkbar machen oder der Whippet vielleicht eins der genannten Symptome zeigen, dann hoffe ich, dass der Bericht ein bisschen sensibilisiert hat und vielleicht ein bisschen dazu beiträgt, dass schnell die richtige Diagnose gestellt wird und Hund und Halter diese Odyssee erspart bleibt. Sprechen Sie Ihren Tierarzt ruhig auf eine mögliche Cushing-Erkrankung an, wenn Sie den Verdacht haben und fordern sie vielleicht entsprechende Tests ein. Auch, wenn ein Whippet mit fünf Jahren kein typischer Anwärter für Cushing ist, ist es – wie die Praxis zeigt – leider nicht ausgeschlossen. Je schneller eine richtige Diagnose gestellt wird, desto weniger Kosten, Aufwand und Leid entstehen durch die direkt richtige Behandlung. In diesem Sinne: bleiben Sie aufmerksam und beharrlich – zum Wohl Ihres Whippets!